Wie geht nachhaltige und umweltfreundliche Druckproduktion?

3. Mai 2024
5 Minuten Lesezeit
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Druckerzeugnisse bringen uns große Freude – besonders wegen der Dominanz digitaler Anwendungen im Alltag. Aber wie druckt man nachhaltig und umweltfreundlich? Und was haben Pilze mit Verpackungen zu tun?

Die Planung eines Druckprodukts umfasst Spezifikationen, die die Umweltfreundlichkeit beeinflussen: neben der Auflage, dem Format und der Verpackung, vor allem das Druckverfahren und das Papier. Bei der Materialwahl bevorzugen wir Recyclingpapiere, um ein möglichst nachhaltiges Produkt zu gestalten.

Es gilt jedoch: Am meisten Ressourcen werden geschont, wenn möglichst wenig Papier verbraucht wird!

Die Produktion kleinerer Auflagen vermeidet Papiermüll und kleinere Formate und Grammaturen (Gewicht des Papiers in Gramm pro Quadratmeter) sparen Material. Eine geringere Auflage oder die Minimierung von Makulatur (nutzloses, bereits bedrucktes Papier) können die Investition in ein teureres, nachhaltiges Papier ausgleichen.

Unsere Kunden entscheiden sich mittlerweile gerne für papiersparende Methoden und lassen ganz selbstverständlich kleine Auflagen nachdrucken, wenn beliebte Magazine, Handouts oder Poster vergriffen sind.

Sie möchten mit nachhaltigen und umweltbewussten Druckmedien kommunizieren? Wir freuen uns über eine Anfrage unter [email protected] oder 069 / 71 71 97 62.

Chancen und Tücken nachhaltiger Papiere und Farben

Wir arbeiten mit Druckereien zusammen, für die umweltschonende Produktion zur täglichen Arbeit dazugehört und die sich mit dem Druck auf Naturpapier auskennen. Die Papiersorten haben oftmals ein höheres Volumen, was bedeutet, dass sie sich trotz geringerem Materialeinsatz dicker anfühlen, als sie sind. Diese Papiere bringen neben einer schönen Haptik auch gleichzeitig eine Herausforderung beim Druck mit sich, denn sie saugen mehr Farbe auf, weisen manchmal leichte Färbung auf und können schneller vergilben. Die Darstellung von Farben und Bildern auf Naturpapier braucht also ein spezielles Augenmerk. Hierzu gehören unter anderem ein professionelles Farbmanagement, eine speziell auf das Recyclingpapier abgestimmte Bildoptimierung und die Verbesserung des Farbproofs.

Wenn der Druckpartner Erfahrung mit Naturpapieren hat, kann auch die passende Veredelung abgestimmt und professionell umgesetzt werden. Zum Beispiel schützt Dispersionslack Umschläge vor Fingerabdrücken und Verschmutzungen und ist gleichzeitig umweltfreundlich, weil er auch Wasser und Bindemitteln bzw. Harzen besteht.

Welches Druckverfahren die nachhaltigste Option ist, muss im individuellen Fall entschieden werden. Unter bestimmten Voraussetzungen oder insbesondere für spezielle Druckprodukte können ressourcenschonende Verfahren wie Flexodruck oder Risographie eingesetzt werden. Für Publikationen in hohen Auflagen, sowie qualitativ hochwertige oder langlebige Produkte ist der Offsetdruck oftmals die erste Wahl.

Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Druckfarben lohnt sich in jedem Fall, auch wenn Druckereien bereits immer seltener mit mineralöl­haltigen Farben arbeiten und stattdessen vermehrt Farben auf Pflanzenölbasis verwenden. So gibt es neben Farben auf Soja- oder Reiskleieölbasis, auch innovative Farben, wie auf Algen basierende Druckfarbe des Herstellers Living Ink.

Pilze als umweltfreundliches Verpackungsmaterial

Wenn die Bausteine für eine nachhaltige und umweltfreundliche Druckproduktion umgesetzt sind, können diese in der Weiterverarbeitung mit umweltschonenden, recycelbaren Verpackungsmaterialien ergänzt werden. Während Magazine und Bücher früher oft eingeschweißt wurden, wird heute Plastik vermieden oft unverpackt verschickt. Dünne Papierbänder können als Banderolen Plastik und Etiketten vermeiden. Wenn dennoch Folie verwendet werden soll, kann auf nachhaltige Kunststoffe zurückgegriffen werden. Biokunststoffe werden teilweise oder vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und sind zudem oft biologisch abbaubar oder kompostierbar.

Umweltfreundliches Verpackungsmaterial aus Pilzen von Ecovative (Bild: Ecovative)

Auch hier gibt es innovative Produkte, wie beispielsweise ein umweltfreundliches Verpackungsmaterial aus Pilzen, welches 2009 von Ecovative entwickelt wurde. Die Pilz-Verpackung wird mithilfe von Myzelzellen hergestellt, die pflanzliche Abfälle wie Maisstängel oder Reisspelzen innerhalb weniger Tage in Verbundstoffe umwandeln. Das Ergebnis ist eine Alternative zu Styropor, die kostengünstig und völlig biologisch abbaubar ist!

Welche nachhaltigen Umweltlabels sind vertrauenswürdig?

Es gibt eine Reihe von Siegeln und Zertifikaten, die sich für eine nachhaltige und umweltfreundliche Druckproduktion durchgesetzt haben. Sie umfassen ein systematisches Umweltmanagement oder beziehen sich auf einzelne Aspekte im Produktionsprozess.

Bei der Wahl eines Recyclingpapiers mit Blauem Engel – dem Umweltzeichen der Bundesregierung – ist sichergestellt, dass es sich wirklich um Post-Consumer-Waste handelt, also um Papierabfälle, die bereits im Umlauf waren. Wenn dennoch Frisch­fasern benötigt werden, sollten diese zumindest das FSC-Zeichen tragen.

FSC® (Forest Stewardship Council®) ist ein internationales Zertifizierungssystem für nachhaltigere Waldwirtschaft. Holz mit FSC-Siegel kommt aus Wäldern, die verantwortungsvoller bewirtschaftet werden, und Papier aus FSC-zertifiziertem Holz trägt dieses Logo ebenfalls. Am FSC-Siegel wuchs in den letzten Jahren Kritik: Standards seien inkonsistent und mangelhaft kontrolliert.

Weitere Labels sind unter anderem Cradle to Cradle NGO – ein philosophischer Ansatz konsequenter Kreislaufwirtschaft, EU-Ecolabel – die Richtlinie der Europäischen Union für Druckprodukte oder PEFC® – ein Label zur Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody) auf Holzbasis.

Die verschiedenen Umweltlabels in der Übersicht
Die verschiedenen Umweltlabels in der Übersicht

Die Berücksichtigung von Umweltlabels sollte aus unserer Sicht immer individuell für das aktuelle Druckprodukt geplant werden und durch weitere Umweltschutzmaßnahmen ergänzt werden, um möglichst nachhaltige Produktionen zu erzielen.

Kompensierung des CO2-Fußabdruck

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass Druckereien ihren gesamten CO2-Fußabdruck oder die CO2-Emissionen eines Druckprodukts kompensieren. Das Produkt erhält bspw. vom Beratungsunternehmen natureOffice ein Label „Klimaneutral gedruckt“ und eine unverwechselbare ID-Nummer, mit der es zurückverfolgt werden kann. Neben diesem Weg zur Kompensation zielt aber eine wirklich nachhaltige Druckerei darauf ab, Emissionen zu minimieren oder komplett zu vermeiden, durch etwa einen klimaneutralen Produktionsprozess, Gebäudemaßnahmen, Nutzung von Ökostrom und den Einsatz energiesparender Logistik.

Unsere Verantwortung als Kreative

Wir Designer:innen haben die wunderbare Möglichkeit nachhaltige Grundsätze verantwortungsbewusst umzusetzen. Wenn wir uns über die Möglichkeiten für eine nachhaltige und umweltfreundliche Druckproduktion informieren und weiterbilden, sowie unsere innere Einstellung zum Umweltschutz formen, können wir auch unseren Kunden und Kundinnen die Bedeutung verdeutlichen und sie umfassend dazu beraten.

Und letztendlich Drucksachen gestalten, die nachhaltig kommunizieren – auf allen Ebenen.

Interesse geweckt? Wir unterstützen gerne bei der Gestaltung und Produktion nachhaltiger Druckprodukte. Wir freuen uns über eine Anfrage unter [email protected] oder 069 / 71 71 97 62.

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